Inspirierende Netzwerke: Einblicke in die Schulentwicklung am Gymnasium Kaltenkirchen – ein Audio-Interview
Begabungsförderung spielt für die Schulentwicklung am Gymnasium Kaltenkirchen eine große Rolle. Unterstützt durch die Zusammenarbeit in den Netzwerken von „Leistung macht Schule“ hat die Schule bereits viel erreicht. Hören und lesen Sie, was die Schulleiterin Tatjana Rahmani und die Lehrerin Vanessa Grubert darüber berichten.

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Das Gymnasium Kaltenkirchen in Schleswig-Holstein ist seit 2023 eine von deutschlandweit über 500 Transferschulen in der Bund-Länder-Initiative „Leistung macht Schule“. Das sind Schulen, die zu Beginn der zweiten Phase zur Initiative hinzugekommen sind. Sie arbeiten in länderspezifischen Schulnetzwerken mit Multiplikatorschulen zusammen. Die Multiplikatorschulen haben bereits an der ersten Phase teilgenommen. Sie geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen, wie Schule und Unterricht begabungsförderlich gestaltet werden können, nun weiter. Der Forschungsverbund „LemaS-Transfer“ unterstützt und begleitet die Schulnetzwerke mit verschiedenen Qualifizierungs-, Austausch- und Vernetzungsangeboten.
Schulleiterin Tatjana Rahmani und Vanessa Grubert, Lehrerin und Koordinatorin für „Leistung macht Schule“, vom Gymnasium Kaltenkirchen haben uns davon berichtet, wie die Zusammenarbeit in den Netzwerken der Bund-Länder-Initiative sie dabei unterstützt hat, dem Fördern von Begabung einen angemessenen Platz in der Schulentwicklung einzuräumen.

Tatjana Rahmani
Tatjana Rahmani, Gate 7 – The Coaching Network
Schulleiterin Tatjana Rahmani spricht über Begabungsförderung am Gymnasium Kaltenkirchen
Warum ist Begabungsförderung so zentral?
Tatjana Rahmani weist darauf hin, dass Begabungsförderung in Schleswig-Holstein bereits im Schulgesetz angelegt ist: Jeder junge Mensch soll entsprechend seiner Fähigkeiten und Neigungen gefördert werden. Wie Rahmani sagt, spielte es am Gymnasium Kaltenkirchen schon vor der Teilnahme an „Leistung macht Schule“ eine große Rolle, die unterschiedlichen Stärken der Schülerinnen und Schüler weiterzuentwickeln. Durch die Initiative hat das Thema noch mehr Gewicht bekommen. Es ist im Kollegium, unter den Schülerinnen und Schülern und in der Elternschaft deutlich bekannter geworden.
Die Zusammenarbeit in den Schulnetzwerken inspiriert
Die Lehrerin Vanessa Grubert berichtete uns, dass sie mit Kolleginnen beziehungsweise Kollegen ein- bis zweimal im Halbjahr zu den Netzwerktreffen in Schleswig-Holstein fährt. Sie schätzt den Austausch mit Lehrkräften von den anderen Schulen sehr. Die Lehrerinnen und Lehrer schildern dort die Erfahrungen an ihren Schulen, erzählen von Erfolgen und Misserfolgen und von Best Practices. Laut Grubert erspart dieser Austausch nicht nur den einen oder anderen Umweg, sondern erleichtert auch die eigene Arbeit ganz konkret.
„Die Treffen in unserem Netzwerk bestärken mich als Lehrerin sehr in meinem Einsatz für die Begabungsförderung. Es ist inspirierend zu sehen, wie viele Personen und wie viele Schulen sich ebenfalls dafür einsetzen. Da ändert sich wirklich viel. So haben wir die Chance, das Thema größer zu denken und an unseren Schulen noch mehr zu verändern.“
Vanessa Grubert, Lehrerin
Auch auf Ebene der Schulleitungen gibt es Treffen. Tatjana Rahmani beschreibt sie als sehr gewinnbringend. Zu erfahren, wie andere arbeiten, inspiriert sie, Herangehensweisen an der eigenen Schule weiterzuentwickeln und im Schulentwicklungsprozess zu berücksichtigen. Über diese Treffen hinaus tauscht sie sich auch informell mit einigen der Kolleginnen und Kollegen aus dem Netzwerk regelmäßig zu Fragestellungen und konkreten Ideen aus.
Alle in die Schulentwicklung einbinden
Als Schulleiterin hat Tatjana Rahmani für die Schulentwicklung Schwerpunkte festgelegt. Einer davon ist die Begabungsförderung. Diese systematisch in den Blick zu nehmen, wird laut Rahmani durch die Teilnahme an „Leistung macht Schule“ einfacher, da sie und die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer auf die Erfahrungen der anderen Schulen zurückgreifen können.
„Wir wollen mit diesem Schulentwicklungsprozess in unserer Schule sowohl einen Lernort schaffen, der die Schülerinnen und Schüler und ihre Bedürfnisse in den Blick nimmt, als auch einen Arbeitsort, an dem Lehrkräfte das leisten können, wofür sie Lehrkräfte geworden sind.“
Tatjana Rahmani, Schulleiterin
Der Schulentwicklungsprozess wird am Gymnasium Kaltenkirchen sehr transparent und partizipativ durchgeführt, betont die Schulleiterin. Zu Beginn des Prozesses stand eine umfassende Umfrage unter allen Schülerinnen und Schülern, den Lehrkräften und den Eltern. Laut Rahmani können sich alle Mitglieder des Kollegiums jederzeit informieren und in den verschiedenen Gremien mitarbeiten. Viele Lehrkräfte nutzen diese Möglichkeiten. Sie beteiligen sich intensiv und gestalten so die Entwicklungen aktiv mit. Außerdem werden immer wieder Rückmeldungen eingeholt und der Prozess wird evaluiert.
Eine Idee verbreitet sich
Viele Lehrkräfte setzen am Gymnasium Kaltenkirchen inzwischen Methoden der Begabungsförderung, wie beispielsweise Lerncoaching, ein und berichteten im Kollegium begeistert über die Erfolge. Auch die Schulleitung spielt eine zentrale Rolle dabei, die Begabungsförderung in der Schule zu verankern. Wenn die Mitglieder des Kollegiums sehen, dass das Thema Begabungsförderung für die Schulleitung einen hohen Stellenwert hat, steigt ihre Motivation neue Ideen und Ansätze dazu in ihrem Unterricht anzuwenden, stellt Tatjana Rahmani fest. Widerstände gebe es immer, wenn Veränderung anstehen, räumt die Schulleiterin ein, aber Erfolge bei der Umsetzung und das sehr positive Feedback aus der Schüler- und Elternschaft überzeugten auch Zweifelnde.
Das alles hat, laut Rahmani, die Bereitschaft sogar von Lehrpersonen, die sich bisher nicht so intensiv mit Begabungsförderung beschäftigt hatten, deutlich erhöht, die an der Schule erprobten Methoden selbst in der Praxis einzusetzen. Begabungsförderung ist längst kein „Nischenprodukt“ mehr, sondern in der Breite des Kollegiums und damit bei den Schülerinnen und Schülern angekommen.
Kurzbiografien

Schulleiterin Tatjana Rahmani
Tatjana Rahmani ist seit Februar 2020 Schulleiterin am Gymnasium Kaltenkirchen. Vorher war sie Oberstufenleiterin an der Elsa-Brändström-Schule in Elmshorn. Dort hat sie das Kompetenzzentrum Begabungsförderung mit aufgebaut und war ebenfalls an „Leistung macht Schule“ beteiligt. An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat Rahmani die Fächer Englisch und evangelische Religion studiert. Schon sehr früh hat sie sich für Begabungsförderung interessiert und entsprechende Aus- und Fortbildungen besucht. Neben ihrer Tätigkeit als Schulleiterin hat sie eine Ausbildung zur NLP-Coachin absolviert und strebt eine Zertifizierung als Trainerin an.

Lehrerin Vanessa Grubert
Vanessa Grubert ist seit 2018 als Lehrerin am Gymnasium Kaltenkirchen tätig, wo sie zuvor bereits ihr Referendariat absolviert hat. Seitdem sie dort ist, engagiert sie sich in der Begabungsförderung. Sie ist Koordinatorin für „Leistung macht Schule“ und hat über das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein eine Ausbildung zur Lerncoachin gemacht. Grubert hat an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die Fächer Geografie und Deutsch studiert.